
Mäuse-Regen oder Ein schlauer Hund

Ein weiser Hund begegnete einst einem Rudel Katzen. Als er näher kam und sie sehr beschäftigt fand, und sie ihn nicht beachteten, blieb er stehen.
Inmitten des Rudels erhob sich ein großer, gewichtiger Kater. Er blickte streng in die Runde und sagte: "Betet, Brüder! - Betet und tut Buße. Und wenn ihr unermüdlich gebetet haben werdet, ohne in eurem Herzen zu zweifeln, dann wird es wahrhaftig Mäuse regnen."
Als der Hund dies hörte, lachte er bei sich und indem er wieder davonschlich, sagte er: "Oh ihr mit Blindheit geschlagenen Katzen, wie könnt ihr nur diesem dummen Aberglauben anhängen. Steht denn nicht geschrieben, und weiß nicht jedes Kind seit Urväters Zeiten, dass es zum Lohn für demütiges Gebet nicht Mäuse, sondern Knochen regnet?!"
Der Grashalm in der Wüste

Ein Mann durchquerte eine Wüste. Rings um sich her sah er nur Sand, Steine, Felsen, den leuchtend blauen Himmel und über sich die glühend heiße Sonne. Auf der Hälfte seines Weges wollte er Rast machen und sah sich nach einem geeigneten Platz um.
Abseits des Weges fand er einen überhängenden Felsen, der ihm Schatten bieten konnte. Der Mann ging dorthin. Als er dort ankam, sah er etwas Ungewöhnliches. Im Schatten dieses Felsens wuchs tatsächlich ein Grashalm.
Er scharrte das Pflänzchen aus und legte es behutsam zur Seite, dann grub er tiefer und tiefer. Auch wenn er nicht gerade auf eine sprudelnde Quelle traf, so war die Erde hier tatsächlich etwas feucht.
Als der Mann sich wieder auf den Weg machte, vergaß er nicht, den Grashalm wieder auf die feuchte Erde zu setzen. Mit ein paar Steinen baute er eine kleine Mauer davor, um die Pflanze vor dem Austrocknen durch den heißen Wüstenwind zu schützen.
Dann setzte er die Reise fort. Auf seinem Rückweg kam er wieder an der Stelle vorbei. Natürlich schaute er nach, ob sein Pflänzchen noch lebte. Er war sehr erfreut. Aus dem Grashalm war ein richtiges kleines Grasbüschel geworden.
Der Mann grub noch tiefer in die Erde und drang in noch feuchteres Erdreich vor. Mit einem Tuch, zwei Pfählen und ein paar Schnüren, die er für die Rückreise mitgenommen hatte, verbesserte er den Windschutz für seine Pflanze.
Jahre später musste ein Freund dieses Mannes dieselbe Wüste durchqueren. Da bat der Mann den Freund: "Schaue doch einmal nach, was aus meiner Pflanze geworden ist - ob sie noch da ist!" Der Freund versprach es ihm.
Von der Reise zurückgekehrt, berichtete er: "Aus deinem Grasbüschel ist ein kleines Stück Wiese geworden. Andere Reisende haben die Stelle entdeckt. Sie haben die Mauer vergrößert und noch mehr Pfähle mit Tüchern dort aufgestellt.
Jemand hat einen Brunnen gegraben und mit einem Stück Leder abgedeckt. Neben dem Brunnen wächst ein schöner Feigenbaum. In seinen Blättern zirpte eine Grille.
Der Seebär und der Landbär

Der Seebär hatte einst Besuch vom Landbären. Die beiden kannten sich schon seit der Bärenschule. Dann war der Seebär weit in die Welt gereist und hatte viele Abenteuer bestanden und war schließlich reich an Schätzen und Erlebnissen wieder heimgekehrt. Der Landbär war in seiner heimischen Höhle geblieben. Er hatte eine Landbärenfrau gefunden und hatte Landbärenkinder bekommen. Inzwischen hatte er viele Bärenenkel und -urenkel, und alle waren echte, gute Landbären geworden.
 
"Manchmal wünschte ich, ich könnte noch einmal leben", sagte der Landbär zum Seebären. "Das geht mir auch so", antwortete der. "Ich würde vieles anders machen", sagte der Landbär. "Ja, ich auch" antwortete der Seebär. "Ich würde zur See fahren", träumte der Landbär. "Ich würde heiraten", seufzte der Seebär. "Ich würde Abenteuer bestehen" erklärte der Landbär. "Ich würde Bärenkinder zeugen" stellte der Seebär fest. "Ich wäre ein reicher Bär. Ich hätte Schlimmes und Schönes erlebt, wovon ich berichten könnte", schwärmte der Landbär. "Ich hätte Enkel und Urenkel, die mich lieben und mich versorgen, wenn ich alt und krank werde", hielt der Seebär fest.
Der Stolz des Bettlers

Auf dem Wege nach Rom bat ein Armer sehr zurückhaltend um ein Almosen.
"Schämt Ihr euch denn nicht", sagte ein Passant, "einer so erbärmlichen Tätigkeit nachzugehen,
wo Ihr doch arbeiten könntet?"
"Mein Herr", antwortete der Bettler mit römischem Stolz:
"Ich bat um Geld und nicht um Ratschläge."
Dobermann und Lebertran

Ein Mann begann, seinem Dobermann große Mengen Lebertran zu geben, weil man ihm gesagt hatte, das Zeug sei gut für Hunde. Jeden Tag pflegte er den Kopf des widerstrebenden Tieres zwischen seinen Knien festzuhalten, seine Schnauze gewaltsam zu öffnen und ihm die Flüssigkeit mit einem Löffel hineinzuschütten.
Eines Tages riss sich der Hund los und spuckt den Lebertran aus. Zum größten Erstaunen seines Herrn begann er jedoch, den Löffel abzulecken. So kam der Mann darauf, dass der Hund nichts gegen Lebertran hatte, sondern gegen die Art der Verabreichung.
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